Wer zum ersten Mal versucht, in einem anderen Land ein Bankkonto zu eröffnen, erlebt oft eine unangenehme Überraschung: Was in Deutschland eine Routineangelegenheit ist, wird anderswo zum bürokratischen Hindernislauf. Kein fester Wohnsitz, keine lokale Steueridentifikationsnummer, kein Konto. So lautet die implizite Regel in erstaunlich vielen Ländern – und sie trifft Expats, Digitalnomaden und Grenzgänger gleichermaßen hart, auch wenn ihre Situation sich grundlegend unterscheidet.
Dabei ist die Frage "Wie eröffne ich ein Konto im Ausland?" eigentlich die falsche Ausgangsfrage. Die richtige lautet: Welche Art von Konto brauche ich überhaupt, und wo muss es rechtlich angesiedelt sein? Wer das nicht trennt, investiert Zeit in Lösungen, die am Ende am eigentlichen Problem vorbeigehen.
Drei Gruppen, drei völlig verschiedene Probleme
Ein Expat, der für fünf Jahre nach Singapur zieht und dort ein lokales Gehalt bezieht, braucht ein vollwertiges Konto bei einer singaporeanischen Bank – mit lokaler IBAN-Entsprechung, Lastschriftfunktion, möglicherweise einer Kreditkarte. Die Hürden: Viele Banken dort verlangen einen Employment Pass girokonto eröffnen oder einen Nachweis über einen langfristigen Aufenthaltsstatus. Wer frisch angekommen ist und noch keinen lokalen Arbeitgebernachweis hat, steht erstmal vor verschlossenen Türen. Die DBS Bank und OCBC sind bekannt dafür, relativ zugänglich zu sein – aber auch dort gilt: ohne Pass und Beschäftigungsnachweis läuft wenig.
Ein Digitalnomade dagegen hat oft gar keinen festen Wohnsitz mehr – zumindest keinen, den eine traditionelle Bank akzeptieren würde. Wer drei Monate in Lissabon, dann zwei in Chiang Mai und dann in Medellín verbringt, ist für das klassische Bankensystem eine Anomalie. Kein Wohnsitz, keine Steuernummer, kein Konto. Hier sind es vor allem Fintech-Lösungen, die die Lücke füllen: Wise (früher TransferWise), Revolut oder das georgische TBC Bank-Konto, das man mittlerweile remote eröffnen kann, haben sich als De-facto-Standard in der Nomaden-Community etabliert – nicht weil sie perfekt sind, sondern weil sie funktionieren, wo traditionelle Banken blockieren.
Grenzgänger – also Menschen, die in Deutschland wohnen und in der Schweiz, Luxemburg oder Österreich arbeiten – haben wieder ein anderes Problem. Ihr deutsches Konto läuft weiter, aber der Arbeitgeber überweist in einer anderen Währung oder verlangt eine lokale Bankverbindung. Hier geht es weniger um Kontoeröffnung als um Währungsmanagement und minimale Transaktionskosten. Wer regelmäßig CHF in EUR umtauscht, verliert bei einer Hausbank schnell Hunderte Euro jährlich an Wechselkursmargen – etwas, das Wise oder ein Multicurrency-Konto bei Starling Bank deutlich günstiger löst.
Was in der Praxis wirklich funktioniert
Die ehrliche Antwort auf die Frage nach dem besten Weg ins Auslandsbankwesen lautet: Es gibt keinen universellen. Aber es gibt ein paar Prinzipien, die in den meisten Situationen standhalten.
Erstens: Behalte dein deutsches Konto, solange du kannst. Es ist eine stabile Basis, die du in vielen Ländern für internationale Überweisungen weiternutzen kannst – und die Schufa-Akte, die daran hängt, ist in Deutschland aufgebaut. Wer sein deutsches Konto vorschnell auflöst, baut danach neu auf, was Jahre dauern kann.
Zweitens: Unterscheide zwischen einem Konto für den Alltag und einem für Transaktionen. Ein lokales Konto im Zielland ist oft notwendig für Miete, Telefontarife und Arbeitgeber. Aber für Währungsumtausch und internationale Überweisungen gibt es bessere Werkzeuge. Wise bietet echte Wechselkurse ohne versteckte Margen und ist in über 50 Währungen nutzbar – das ist für Grenzgänger und Nomaden oft wertvoller als jedes lokale Konto.
Drittens: Die Eröffnungsreihenfolge matters. In vielen Ländern ist es einfacher, zuerst eine Adresse nachzuweisen und dann ein Konto zu eröffnen, als beides gleichzeitig zu versuchen. Wer in Spanien ankommt, sollte zuerst die Empadronamiento (Einwohnermeldebestätigung) beantragen, dann zur Bank gehen – nicht umgekehrt. In Portugal funktioniert der Weg über die NIF (Steuernummer) ähnlich: erst NIF, dann Konto. Wer die lokale Logik versteht, spart sich mehrere frustrierte Bankenbesuche.
Ein Sonderfall, der zunehmend relevant wird: Georgien. Das Land hat sich in den letzten Jahren als unerwartet bankfreundliches Ziel für Nomaden und Selbstständige etabliert. TBC Bank und Bank of Georgia eröffnen Konten für Nicht-Residenten mit relativ wenig Aufwand, die Gebühren sind gering, und das Land hat kein FATCA-Abkommen mit den USA – was für amerikanische Staatsbürger, die sonst bei europäischen Banken oft abgewiesen werden, ein echter Vorteil ist.
Die steuerliche Dimension, die viele unterschätzen
Ein ausländisches Konto ist kein Geheimversteck. Das ist eine Selbstverständlichkeit, die trotzdem erwähnt werden muss, weil der Mythos hartnäckig ist. Seit dem automatischen Informationsaustausch (Common Reporting Standard, CRS), dem mittlerweile über 100 Länder beigetreten sind, melden Banken Kontodaten ihrer ausländischen Kunden automatisch an die jeweiligen Heimatfinanzämter.
Wer also als deutscher Steuerpflichtiger ein Konto in Portugal oder Thailand führt, muss dieses Konto in seiner deutschen Steuererklärung angeben – Zinsen, Erträge, alles. Wer das nicht tut, riskiert eine Steuerhinterziehung, auch wenn er das Konto völlig legal eröffnet hat. Das ist kein Grund, kein Auslandskonto zu eröffnen – aber es ist ein Grund, vorher mit einem Steuerberater zu sprechen, der internationale Sachverhalte kennt.
Dasselbe gilt für die Frage des steuerlichen Wohnsitzes. Wer als Digitalnomade nirgendwo gemeldet ist, ist für das Finanzamt nicht unsichtbar – er ist nur schwieriger zuzuordnen. Was oberflächlich nach Freiheit klingt, kann zu einer komplizierten Situation führen, wenn plötzlich mehrere Länder gleichzeitig Steuern beanspruchen. Doppelbesteuerungsabkommen regeln das zwar theoretisch – aber ihre Anwendung im Einzelfall ist selten trivial.
Ein Girokonto im Ausland ist machbar. Oft sogar unkomplizierter als erwartet, wenn man die lokale Logik erst einmal verstanden hat. Was es nicht ist: eine Abkürzung, die irgendwelche anderen Fragen umgeht. Wer das akzeptiert, findet in den meisten Ländern einen Weg – manchmal über die Filiale, manchmal über ein Fintech, manchmal über einen Notar, der die NIF beantragt. Es gibt immer einen Weg. Er ist nur selten der offensichtlichste.